Lila Luftschloss

Neubau zweier Frauenwohnhäuser

Lila Luftschloss

Um in eigener Regie Wohnraum für Frauen zu schaffen, fand sich 1991 eine Gruppe von Frauen zur „Frauenwohnungsbaugenossinnenschaft Lila Luftschloss“ zusammen – in guter Frankfurter Tradition, die erste Frankfurter Frauenwohnungsgenossenschaft wurde 1916 gegründet. Ziel der Gruppe ist, gute, kostengünstige Wohnhäuser für Frauen zu bauen, bezahlbaren Wohnraum neu zu schaffen…. Wohnraum, der selbst Instand gehalten und verwaltet werden soll. Beraten wird die Initiative durch den Wohnbund Frankfurt und durch die BSMF.
Seit 1994 arbeitet die Genossinnenschaft mit dem Architekturbüro Baufrösche in Kassel zusammen, das mit der Planung von zwei Frauenwohnhäusern beauftragt wurde. Ab 1999 wurde das Architekturbüro crep D – architektur und städtebau in Frankfurt mit der Umsetzung der Planung, durch die Baufrauen, betraut.

Zur Lage in der Stadt – Die Baulücke
Beide Grundstücke befinden sich im Stadtzentrum von Frankfurt. In der Gutleutstrasse, fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, ist eine schmale Baulücke in einem als Ensemble unter Denkmalschutz stehenden Häuserblock geschlossen worden. In der Heidestrasse in Frankfurt-Bornheim ersetzt das Frauenwohnhaus inzwischen einen ehemaligen Garagenhof. Die innerstädtische Lage der Häuser birgt Vor- und Nachteile für die Bewohner- innen. Der guten Infrastruktur und einer lebendigen Nachbarschaft stehen Verkehrsbelastung, kleine Freiflächen und gerade in der Gutleutstrasse ein nicht unproblematisches soziales Wohnumfeld gegenüber. Die Form der Gebäude wird im hohen Maße durch bestehende Parameter wie Nachbarbebauung, Abstandflächen, Belichtungsverhältnisse usw. bestimmt. Je komplexer der Anforderungskatalog ist, desto spezifischer fällt die bauliche Antwort aus. 85% der Gesamtkosten sind durch öffentliche Zuschüsse und 15% durch die Genossinnenschaft aufgebracht worden. Die Förderung bedingt die Einhaltung der Technischen Wohnbaurichtlinien und die Berücksichtigung einer Einkommensobergrenze bei der Auswahl der Mieter- innen.

Die Wohnungsgrundrisse sollen den unterschiedlichen und wechselnden Lebenssituationen der zukünftigen Bewohner- innen Rechnung tragen: Alleinerziehende mit kleinen und größeren Kindern, Frauenwohngemeinschaften mit und ohne Kinder, alleinlebende Frauen, Partnerinnen … Wohnungsbau für Frauen bedeutet nicht ausschließlich Wohnungsbau für Mütter kleiner Kinder. Die Größe der meisten Wohnungen kann durch Teilen bzw. Zusammenlegen von zwei kleinen Wohneinheiten variiert werden. Wenn das gemeinschaftliche Wohnen funktionieren soll, muss es Rückzugsmöglichkeiten geben: jede Person hat einen eigenen Raum (Aus- nahmen machen zwei Zimmer in der Heidestraße, die mit zwei Kindern belegt werden müssen), guter Schallschutz zwischen den Wohnungen und auch wohnungsintern helfen, abschalten zu können.

Gutleutstraße 147
Das Gesicht des schmalen, hohen Hauses haben sich die Architekten selbstbewusster und eigenständiger gegenüber seinen Nachbarn gewünscht als es schließlich genehmigt wurde. Es bleibt zu hoffen, das es sich auch so als Neuankömmling in der gestandenen Häuserzeile behaupten kann. Der Hauseingangsbereich bietet ein kleines Foyer Raum für eine Sitzbank, ein kurzes Gespräch, ein Plakat im „Schaufenster“. Die Erdgeschosswohnung mit separatem Eingang vom Foyer, Terrasse und einer lichten Geschosshöhe von 3 m kann später auch gewerblich oder von einer Kindergruppe genutzt werden. Die Küchen liegen in allen Geschossen zur lauten Gutleutstraße hin, die Individualräume sind nach Südosten zum Block- Innenbereich hin angeordnet. Dem gemeinschaftlichen Gärtchen mit Fahrradschuppen schließt sich ein kleiner öffentlicher Spielplatz an. Bei dem 1. Obergeschoss handelt es sich um ein „Volumengeschoss“: eine Geschosshöhe von 3,5 m ermöglicht den Einbau von Hochebenen zum Schlafen in den Zimmern, über Bad und Küche als Stauraum zu nutzen. In allen Obergeschossen kann die Etage durch das Einfügen oder Entfernen der Abstellschränke an der Treppenhauswand als eine 92 m2 große Wohnung bewohnt, oder in zwei kleinere Wohnungen geteilt werden. Das mittlere Zimmer kann als Schaltzimmer in den Geschossen 2- 4 sowohl der einen als auch der anderen Wohnung zugeordnet werden. Die Maisonettewohnung im 4.OG und im Dachgeschoss bietet sich als Wohngemeinschaftswohnung an. Im Dachgeschoss befinden sich neben der Heizung ein Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse. Der Raum soll für gemeinschaftliche Aktivitäten und als Gästezimmer genutzt werden.

Heidestraße 51
Die Außenform des Hauses ergibt sich weitgehend aus den einzuhaltenden Abstandsflächen. Da die Belastung durch den Verkehrslärm auch bei diesem Grundstück sehr hoch ist, gibt sich das Haus zur baulich heterogenen Heidestraße betont geschlossen und ruhig, während es sich zu den Längsseiten nach Osten und Westen hin öffnet.Die hintere Reihe der Garagen, die sich jetzt noch auf dem Grundstück befinden, soll erhalten und für 3 der 4 nachzuweisenden Stellplätze, aber auch zum Abstellen von Fahrrädern und anderen Gefährten genutzt werden. Der Gemeinschaftsraum im Frauenwohnhaus Heidestraße liegt im Kellergeschoss. Er ist sowohl vom Treppenhaus als auch von einer Terrasse aus zugänglich, von wo er auch belichtet wird. Der 62 m2 große Bereich mit WC, Dusche, Garderobe und Küchenzeile soll nicht nur von der Hausgemeinschaft genutzt, sondern auch an andere Gruppen im Stadtteil vermietet werden. Die kleinen Wohnungen auf der Ostseite des Hauses können ohne größeren baulichen Aufwand zu einer großen zusammengefasst werden. Die Individualräume der Wohnungen sind zwischen 10 und 15,5 m2 groß, in allen Küchen ist Raum für einen Essplatz. Die Dachterrasse im 2. Obergeschoss soll gemeinschaftlich genutzt werden.

Typologie
Neubau
Wohnen

Ort
Frankfurt am Main